Mittwoch, 19. Januar 2011
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Politik will Biogasproduktion mit alternativen Inputstoffen vorantreiben

Niedersachsens Umweltminister Sander diskutierte EEG-Novellierung mit der Biogasbranche – einheitlicher Vergütungssatz soll bei 22 bis 23 Cent/kWh liegen

V.l.n.r.: Johannes Gehlenborg (Gründer und Gesellschafter der bwe biogas weser-ems GmbH & Co. KG), Jens Albartus (Geschäftsführer der WELTEC BIOPOWER GmbH), Rainer Noack (Geschäftsführer bwe biogas weser-ems GmbH & Co. KG), Franz Josef Sextro (Gesellschafter der WELTEC BIOPOWER GmbH), Hans-Heinrich Sander (Umweltminister NDS, FDP), Olaf von Lehmden (Vorstandsvorsitzender der EnviTec Biogas AG), Kunibert Ruhe (Gründer und Gesellschafter der EnviTec Biogas AG), Hans Georg Niesel (Bürgermeister der Stadt Lohne).

Lohne, den 18. Januar 2011 – Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) spricht sich anlässlich der anstehenden Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) für einen einheitlichen Vergütungssatz im Biogassektor aus, der auch bei dem Einsatz von organischen Reststoffen gelten soll. Dies bekräftigte er jetzt in einer Diskussion mit den Lenkern der Biogasunternehmen EnviTec Biogas, WELTEC BIOPOWER und bwe biogas weser-ems am Lohner Standort von EnviTec Biogas.

In dem mehrstündigen Austausch präzisierte der Politiker sein Konzept für die künftige Vergütung grüner Energie aus Biogas. Anlass für das Treffen waren Meldungen in den Medien, Umweltminister Sander wolle durch eine Streichung des Bonus für die Verwertung von nachwachsenden Rohstoffen (NawaRo-Bonus) den Ausbau der erneuerbaren Energie aus Biogas in Niedersachsen bremsen. Olaf von Lehmden (Vorstandsvorsitzender EnviTec Biogas), Rainer Noack (Geschäftsführer bwe biogas weser-ems) und Jens Albartus (Geschäftsführer WELTEC BIOPOWER) hatten den FDP-Politiker daraufhin um Erläuterung seiner energiepolitischen Positionen gebeten.

Sander: Keine ersatzlose Streichung des NawaRo-Bonus

In der Gesprächsrunde sorgte Sander für Aufklärung: Selbstverständlich sei er für den Ausbau der erneuerbaren Energien, allerdings auch für die Abschaffung des NawaRo-Bonus. Niedersachsen habe mit Blick auf die anstehende Novellierung des EEG bereits einen Entschließungsantrag in den Bundesrat eingebracht. Der NawaRo-Bonus solle zusammen mit den anderen Boni in einen einheitlichen und in der Summe abgesenkten Vergütungssatz überführt werden. Neben einer konsequenten Förderung der energetisch sinnvollen Wärmenutzung (bei der Verbrennung von Biogas in einem Blockheizkraftwerk entsteht Abwärme, die sich als Heizenergie nutzen lässt) sehe der Entschließungsantrag auch eine Ausweitung des Einsatzes biogener Reststoffe vor. Bei der Frage nach der Höhe der geplanten Gesamtvergütung für Strom aus Biogas gab der Umweltminister die Spanne von 22 bis 23 Cent je kWh gegenüber den Branchenvertretern an. Diese solle wiederum für 20 Jahre gelten, um Anlagenbetreibern Planungssicherheit zu geben.

Als Grund für die angestrebte Flexibilisierung bei den Inputstoffen nannte Sander die aus seiner Sicht bislang einseitige Konzentration der Vergütung bei Bioenergie auf nachwachsende Rohstoffe wie Mais. „In Deutschland werden Biogasanlagen zu 90 Prozent mit Energiepflanzen – vorrangig Mais – und Gülle betrieben. Sinnvoll wäre auch die verstärkte Vergärung biogener Reststoffe“, so Sander.

Mit seiner Position stieß der Umweltminister bei den Unternehmensleitern auf offene Ohren. „Im Ausland haben wir bereits viele Biogasanlagen gebaut, in denen auch organische Reststoffe wie etwa Abfälle aus der Nahrungsmittelproduktion zum Einsatz kommen. Dieses Potenzial wird bislang in Deutschland von den Anlagenbetreibern wenig genutzt, weil die entsprechenden Anreize fehlen“, meinte Olaf von Lehmden, Vorstandvorsitzender der EnviTec Biogas AG.

Zugleich warnten die Branchenvertreter bei dem Zusammentreffen mit dem niedersächsischen Umweltminister jedoch davor, die Verwertung von Energiepflanzen generell zu diskriminieren. „Bei uns in Niedersachsen, wo wir in einigen Regionen schon immer eine vergleichsweise hohe Maisdichte haben, dient der Maisanbau zum überwiegenden Teil der Futtermittelproduktion. Durch die Biogasproduktion hat der Maisanbau hier zwischen 10 und 20 Prozent zugelegt“, sagte Kunibert Ruhe, Gründer und Gesellschafter der EnviTec Biogas AG. Von einer „Vermaisung“ der Region durch die Biogasproduktion, die Anlass zu einer Abkehr vom Einsatz der Energiepflanze als Inputstoff gebe, könne angesichts der belastbaren Fakten nicht die Rede sein.

Flächenbedarf für nachwachsende Rohstoffe sinkt
Ruhe verwies in diesem Zusammenhang auch auf die erheblichen Effizienzfortschritte der Biogasbranche, die den Flächenbedarf für den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen pro Kilowattstunde installierter Leistung langfristig erheblich sinken lasse. Bis zum Jahr 2020 sei etwa bei der EnviTec Biogas AG die heute erzeugte Biogasmenge durch den Einsatz innovativer Technologien mit einem voraussichtlich um bis zu 50 Prozent geringeren Flächenbedarf produzierbar. Dass diese Prognose nicht aus der Luft gegriffen ist, belegte der ehemalige EnviTec-Technikvorstand mit einem Vortrag zu den aktuellen Forschungsaktivitäten des Unternehmens. „Es ist beachtlich, welche Effizienzpotenziale noch in der Biogastechnologie stecken“, bemerkte Umweltminister Sander.

„Die Diskussion mit dem Umweltminister war sehr konstruktiv“, meinte Olaf von Lehmden im Anschluss an das Treffen. „Herr Sander ist nicht nur sehr gut über die Biogasbranche informiert, sondern kann sich als Landwirt auch in die Bedürfnisse unserer Kunden hineinversetzen, die mit dem Betrieb einer landwirtschaftlichen Biogasanlage dazu beitragen, wichtige Wertschöpfung in der Region zu halten.“

Branchenvertreter begrüßen angestrebte Vergütungshöhe
Auch die anderen Branchenvertreter entdeckten zwischen ihren Erwartungen an die Politik und den Forderungen des Umweltministers viele gemeinsame Schnittpunkte. Vor allem in der von Sander angestrebten Öffnung des EEG für alternative Inputstoffe und in der Förderung der Wärmenutzung sehen die Unternehmenschefs in erster Linie neue Chancen für die Biogasbranche. Einhellig begrüßt wurde die von Sander vorgeschlagene Gesamtvergütungshöhe von 22 bis 23 Cent pro kWh.

Über EnviTec Biogas AG

Die EnviTec Biogas AG deckt die gesamte Wertschöpfungskette für die Herstellung von Biogas ab: Dazu gehört die Planung und der schlüsselfertige Bau von Biogasanlagen ebenso wie deren Inbetriebnahme. Die Niedersachsen sorgen für den biologischen und technischen Service, bieten außerdem das gesamte Anlagenmanagement und die Betriebsführung an. Für die weltweit größte Anlage zur Produktion von Biogas in Erdgasqualität mit einer thermischen Anschlussleistung von 55 MW im mecklenburg-vorpommerischen Güstrow hat EnviTec die wesentlichen Anlagenbestandteile geliefert. Daneben betreibt EnviTec auch eigene Biogasanlagen. Das Unternehmen ist inzwischen europaweit in 15 Ländern und darüber hinaus in Indien vertreten. Im Jahr 2009 hat EnviTec einen Umsatz von 120 Mio. Euro und ein EBIT von minus 0,5 Mio. Euro erzielt. Insgesamt beschäftigt die EnviTec-Gruppe derzeit 420 Mitarbeiter. Seit Juli 2007 ist EnviTec Biogas am Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notiert.

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Tel: +49 25 74 88 88 -198
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