» Dank verschiedener modernster Zusatztechniken ist unsere Anlage ein wahres Multitalent. «
Ulrich Wessel-Ellermann
Der Landwirt und Unternehmer Ulrich Wessel-Ellermann hat im niedersächsischen Bohmte ein eigenes kleines Gasnetz geschaffen und gibt damit ein wegweisendes Beispiel dezentraler Energieversorgung: Drei Blockheizkraftwerke an verschiedenen Stellen in Bohmte versorgen den eigenen Hof, einen Maschinenbaubetrieb, einen Agrarbetrieb und das Sportzentrum Bohmte mit Wärme. Was die Anlage Wessel-Ellermanns so außergewöhnlich macht, ist nicht nur das hocheffiziente Wärmenutzungskonzept, sondern auch eine Fülle an technischen Neuheiten und Weiterentwicklungen.
Die Anlage in Bohmte verfügt über zwei geschlossene Anmischbehälter, die die Inputstoffe auf den Gärprozess vorbereiten. Schweinegülle wird aus einem eigenen Annahmebehälter gepumpt, Wasser nach Bedarf aus dem eigenen Brunnen. Die Maissilage gelangt über einen Schubboden und eine Reversierschnecke ausdem Maisbunker in den Anmischbehälter, Getreide und Ganzpflanzensilage werden in einem Vertikalmischer vorbereitet und über eine Reversierschnecke gefördert. Weitere Betriebseinheiten sind Fermenter, Kondensatstrecke, Gärrestspeicher,
Aggregate sowie Anlagensteuerung.
Die Biogasanlage Wessel-Ellermann entspricht modernsten technischen Standards. Anlagenbauer wie Anlagenbetreiber hatten das gemeinsame Ziel, ein Maximum an Energie zu gewinnen und diese optimal zu nutzen. So werden bereits vor der Fermentation einige neuentwickelte Technologien eingesetzt, um hochwertiges Inputmaterial mit hohem Gärpotenzial zu erhalten.
Die Anlage verfügt über zwei Anmischbehälter, die parallel beschickt werden können und die Mengenzugabe der Stoffe über Wiegefüße exakt wiegt, steuert und erfasst. Maissilage, Getreide, Mist und Feuchtgetreide werden mittels Reversierschnecken
aus Schubboden und Vertikalmischer in genau berechneten Mengen zugeführt,
der Vertikalmischer sorgt für ein schnelles, homogenes Mischen und Zerkleinern des Materials.
Nach dem Rührvorgang wird das Gärsubstrat aus den Anmischbehältern über eine Substratleitung in den Fermenter gepumpt. Der Vorgang wird ebenfalls von speziellen Wiegesystemen sowie von einer leistungsgeregelten, variablen Fütterung geregelt. Diese Technik – EnviTec Feedcontrol – sorgt für eine optimale Auslastung der BHKW.
Der Hof Wessel-Ellermann befindet sich – typisch für eine landwirtschaftliche Anlage – außerhalb des Ortes. Tatsächlich liegen fast alle Biogasanlagen in Deutschland mehrere Kilometer von den nächsten Wärmeverbrauchern und damit potenziellen Abnehmern der in der Anlage produzierten Wärme entfernt. Je länger allerdings die Transportwege sind, desto mehr kühlt der Energieträger Wasser ab und desto mehr Wärme geht unterwegs verloren. Hier lohnt sich die Verlegung einer kostengünstigen
Mikrogasleitung. Dabei wird nicht die Wärme aus dem BHKW des Anlagenbetreibers zum Wärmenutzer transportiert, sondern ein Teil des Biogases wird zu einem weiteren BHKW geleitet und erst dort in Strom und Wärme umgewandelt.
Auf diese Weise ist nach und nach das Mikrogasnetz der WEB GmbH & Co. KG entstanden. Die ersten Komponenten wurden im November 2007 in Betrieb genommen: die Biogasanlage und das BHKW auf dem Gelände des eigenen Hofs. Sie versorgen zwei Wohnhäuser, Stallungen und eine Halle sowie den Fermenter und die Gärrest-Trocknungsanlage mit Wärme. Doch damit war das Potenzial der Anlage noch längst nicht ausgeschöpft. Als Wärmeabnehmer fanden sich zunächst der Maschinenbaubetrieb Oelgeschläger sowie ein weiterer Agrarbetrieb, beide einige Kilometer entfernt.
So ließ Wessel-Ellermann eine Mikrogasleitung verlegen und errichtete ein zweites BHKW auf dem Gelände des Maschinenbauers. Seit Anfang 2008 versorgt es den Betrieb Oelgeschlägers und den Agrarbetrieb mit Wärme. Im Jahr 2009 ist das Gasnetz dann nochmals gewachsen. Eine neugebaute Gasleitung führt zum
Sportzentrum Bohmte, wo seit Oktober ein drittes BHKW mit ca. 1 MW Feuerungsleistung das Hallenbad, die Sporthalle und das Freibad mit Wärme versorgt. Insgesamt rund 2 Mio. kWh stellt die WEB GmbH & Co. KG pro Jahr für das Sportzentrum bereit. Und weitere Gemeindeeinrichtungen zeigten ebenfalls bereits Interesse.
Ein Mikrogasnetz hat zahlreiche Vorteile: