» Hier in Tschechien gibt es Felder bis zum Horizont. Da ist noch viel Potenzial für Biogas «
Václav Grubauer
Die Anlage in Lipa war die erste Biogasanlage, die EnviTec in Tschechien in Betrieb genommen hat. Die Abwärme der 500 kWel Biogasanlage versorgt eine Grundschule und einen Kindergarten mit Energie.
Wenn im Winter die Kinder in der Grundschule und dem Kindergarten in Lipa den Worten ihrer Lehrer lauschen, ist ihnen sicherlich nicht bewusst, warum es in ihrem Klassenzimmer so wohlig warm ist. Tatsächlich sorgt die Abwärme einer EnviTec-Anlage für dieses angenehme Lernklima. Denn diese wird per Fernwärmeleitung der 500 Kilowatt-Anlage in Lipa eingespeist. Die Anlage war die erste, die EnviTec in Tschechien in Betrieb genommen hat. Das Gesamtauftragsvolumen belief sich im Jahr 2008 in Tschechien auf rund 9 Millionen Euro und entspricht einer Anschlussleistung von insgesamt rund 3,6 Megawatt elektrisch.
Tschechien bietet für den Biogas-Anlagenbau perfekte Rahmenbedingungen: Auch hier wird, wie in Deutschland, erneuerbare Energie und speziell Biomasse gesetzlich gefördert. Das Land gewährt seit 2008 Einspeisetarife in Höhe von 15,5 Cent je Kilowattstunde – und zwar auf 20 Jahre garantiert. In West-Deutschland verfügt ein durchschnittlicher Landwirtschaftsbetrieb über etwa 70 bis 80 Hektar Fläche. In Tschechien gibt es allein 3000 Farmen, die größer als 1000 Hektar sind – und etwa ein Viertel von ihnen plant eine eigene Biogasanlage. Nicht zuletzt auch wegen der Fördertöpfe der Europäischen Union: Derzeit baut EnviTec Anlagen, die zwischen 30 und 50 Prozent bezuschusst werden. Und viele Banken in Tschechien sind bereit, Biogasanlagen voll zu finanzieren.
Immer mehr Anlagen sind auch in der Lage, Abfälle aus der Zuckerrüben-Industrie zu verwerten. „So wird der Anteil der teuren nachwachsenden Rohstoffe immer geringer. Wir können hier in Tschechien schon 49 Prozent Nebenprodukte verwerten“, so Václav Grubauer. Bisher laufen die Anlagen vornehmlich mit Maissilage, Gülle und Tretmist, der mit Wasser angerührt wird. Auch beim Standort Valovice fungiert EnviTec als Vorreiter in Sachen Technologie. Hier wird in Zukunft die Abwärme in Strom umgewandelt. Immerhin 80 Kilowatt pro Stunde entstehen so; der Energieertrag erhöht sich um weitere rund 15 Prozent. Dieses Verfahren, auch Organic Rankine Cycle-Prozess (ORC) genannt, hat es in Tschechien bisher nicht gegeben. Dass die Landwirte den bisher verwendeten Handelsdünger außerdem durch Gärreste ersetzen können, macht die Biogasanlagen für sie noch einmal attraktiver. Sie profitieren gleich dreifach: Sie erhalten Strom durch Biogas, nutzen Abwärme als Fernwärme oder wandeln diese ebenfalls in Strom um und nutzen die
Abfälle als Dünger.
Und auch den Kindern in Lipa dürfte diese Entwicklung gefallen. Immerhin bedeutet das die zunehmende Verwertung von Gülle, die bisher in offenen Lagunen einfach vor sich hin stank.