Nachhaltigkeit und Vertrauen als festes Fundament
Lohne/Saerbeck - Vertrauen, technologische Kompetenz und langfristige Partnerschaften bilden seit zwei Jahrzehnten die Grundlage des Engagements der EnviTec Biogas AG auf dem französischen Markt. Aktuell realisiert das Unternehmen zwei Projekte für langjährige Kunden: die Umwandlung der Anlage „Biowatt“ in der Bretagne in eine Gasaufbereitungsanlage zur Produktion von Biomethan sowie den Neubau der Biomethananlage „Valoverte“ im Südwesten Frankreichs. „Beide Vorhaben stehen stellvertretend für das Vertrauen und die Zufriedenheit unserer Kunden in unsere Arbeit“, sagt Mehdy Benyahia, für den Anlagenbau zuständiger Geschäftsführer der EnviTec Biogas France SARL.
Biowatt: Aus erstem Frankreich-Projekt wird Biomethanstandort der nächsten Generation
„Die Geschichte von Biowatt und EnviTec reicht bis ins Jahr 2007 zurück. Gemeinsam mit Herrn Le Crom, einem Schweinehalter in Rohan, gründete EnviTec die Projektgesellschaft Biowatt für den Bau und Betrieb der ersten Biogasanlage des Unternehmens in Frankreich“, erklärt Maurice Markerink, zuständiger Geschäftsführer des EnviTec Anlagenbaus, der in seiner früheren Funktion bei EnviTec für die Entwicklung und den Betrieb dieses Projekts verantwortlich war. Die Anlage wurde bereits 2010 in Betrieb genommen. Die ursprünglich mit Schweinegülle, landwirtschaftlichen Abfällen und Fetten betriebene Anlage verfügte über eine installierte elektrische Leistung von 526 Kilowatt. „Im Laufe der Jahre wurde die Anlage kontinuierlich erweitert und an neue regulatorische sowie wirtschaftliche Rahmenbedingungen angepasst“, erklärt Benyahia. Durch die Integration zusätzlicher Reststoffe aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie, die Installation einer Hygienisierungseinheit, die Erweiterung der Gärrestlagerkapazitäten sowie die Erhöhung der elektrischen Leistung auf 889 Kilowatt entwickelte sich Biowatt zu einem Vorzeigeprojekt für nachhaltige Kreislaufwirtschaft.
Trotz Veränderungen in der Eigentümerstruktur ist die Partnerschaft mit EnviTec bestehen geblieben. „Das zeigt auch die 2025 unterzeichnete Vereinbarung zur Umrüstung der Anlage auf Biomethanproduktion“, so Benyahia weiter. Aktuell laufen die Umbauarbeiten auf Hochtouren. Die EnviThan-Gasaufbereitungsanlage mit einer Kapazität von 250 Nm³/h Biomethan wird derzeit am EnviTec-Standort in Saerbeck gefertigt. Lieferung und Inbetriebnahme sind für Ende 2026 vorgesehen.
Neben der Installation der EnviThan-Anlage werden Mischer ausgetauscht, ein bestehender Reststoffspeicher zu einem zusätzlichen Fermenter umgebaut und das Fermenterdach erneuert. Darüber hinaus wird ein Biogas-Heizkessel integriert. „Dank der robusten ursprünglichen Anlagenkonzeption konzentriert sich der Umbau vor allem auf Modernisierungsmaßnahmen und die Integration der Gasaufbereitung zur Produktion von Biomethan“, ergänzt Benyahia. Eine besondere Herausforderung besteht darin, die notwendigen Umbauten mit möglichst wenig Stillstand umzusetzen, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Anlage während der Bauphase aufrechtzuerhalten.
Das künftig erzeugte Biomethan soll in das Netz des französischen Netzbetreibers NaTran eingespeist werden. Das erneuerbare Gas wird über ein rund 13 Kilometer langes Gemeinschaftsnetz bis nach Loudéac geleitet und dort zur lokalen Wärmeversorgung im tertiären Sektor genutzt. Der anfallende Gärrest verbleibt als wertvoller Dünger im regionalen landwirtschaftlichen Kreislauf.
Valoverte: Zweites Projekt mit langjährigem Partner Cler Verts
Ein weiteres Beispiel für die langfristige Zusammenarbeit von EnviTec mit französischen Kunden ist das Projekt Valoverte, das vom Recyclingunternehmen Cler Verts beauftragt wurde.
Valoverte ist bereits die zweite Biogasanlage, die EnviTec für Cler Verts und dessen Präsidenten Jean-Luc Da Lozzo realisiert. Die erste Anlage, „Cler ENR“ in Bélesta-en-Lauragais, wurde 2015 mit einer elektrischen Leistung von 637 Kilowatt in Betrieb genommen. Das neue Anlagenprojekt, ausgestattet mit einer EnviThan-Anlage mit einer Kapazität von 280 Nm³/h Biomethan, ist auf die effiziente Verwertung organischer Abfälle ausgelegt. „Auf diese Weise unterstützen wir unsere Kunden beim Recycling ihrer organischen Abfälle. Gleichzeitig vermeiden wir CO₂-Emissionen, die durch Verbrennung oder Deponierung entstehen würden, und erzeugen einen hochwertigen Gärrest, der Düngemittel fossilen und mineralischen Ursprungs ersetzt“, erklärt der Kunde. „Der von uns aufgebaute Kreislauf zur Verwertung organischer Reststoffe schafft hierfür optimale Voraussetzungen.“
Derzeit finden die Erdarbeiten statt. Die Installation der Behälter ist für September 2026 vorgesehen. Im Anschluss folgen Rohrleitungsbau, Anlagenmontage sowie die Anlieferung der in Saerbeck vorgefertigten EnviThan-Anlage mit einer Jahreskapazität von rund 25 GWh Biomethan. Als Einsatzstoffe dienen landwirtschaftliche Reststoffe sowie Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie. Die Entpackung und Hygienisierung der Substrate erfolgt an einem separaten Standort, bevor sie in der Anlage verarbeitet werden. Die große Vielfalt der eingesetzten Stoffe stellt besondere Anforderungen an das Anlagendesign und erfordert robuste sowie flexible Prozesslösungen, um einen sicheren und effizienten Betrieb zu gewährleisten. Ab Juli 2027 soll das produzierte Biomethan in das Netz von GRDF eingespeist und zur lokalen Wärmeerzeugung genutzt werden.
Frankreich bleibt strategischer Wachstumsmarkt
Seit dem Markteintritt im Jahr 2007 hat EnviTec Biogas in Frankreich insgesamt 48 Anlagenprojekte realisiert. Der überwiegende Teil dieser Anlagen verarbeitet landwirtschaftliche Rohstoffe sowie organische Rest- und Abfallstoffe. Die französische Tochtergesellschaft EnviTec Biogas France SARL beschäftigt aktuell 35 Mitarbeitende und hat ihren Hauptsitz in Plédran in der Bretagne, ergänzt durch einen Servicestandort in Le Meux in der Region Hauts-de-France. „Die Präsenz vor Ort ist entscheidend, denn der französische Biogasmarkt bleibt einer der dynamischsten in Europa“, resümiert Christian Ernst, Area Sales Manager South Europe bei EnviTec. Mit der Veröffentlichung der mehrjährigen Energieplanung im Februar 2026 hat die Regierung ihre Ambitionen für erneuerbare Gase erneut bekräftigt. Die Ziele sehen unter anderem eine Biomethanproduktion von bis zu 62 TWh bis 2035 vor. Während die Entwicklung des Biomethansektors bislang überwiegend durch regulierte Einspeisetarife unterstützt wurde, rückt künftig das System der Biogas-Erzeugungszertifikate (Certificats de Production de Biogaz – CPB) zunehmend in den Mittelpunkt. Die endgültige Ausgestaltung dieses Mechanismus wird in den kommenden Monaten erwartet. Der bisherige Vergütungsmechanismus bleibt zwar bestehen, wird jedoch schrittweise eingeschränkt und zunehmend durch das CPB-System ergänzt.